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2. September 2010

SCHMOLZ+BICKENBACH hat die Krise überwunden und schreibt wieder schwarze Zahlen

Markante Verbesserung der Umsatz- und der Ertragszahlen im ersten Halbjahr 2010 – Weiterhin positive Aussichten für das zweite Halbjahr

Die an der Schweizer Börse kotierte SCHMOLZ+BICKENBACH AG (SIX: STLN), ein weltmarktführendes Unternehmen für Spezialstähle (u.a. Werkzeugstahl, rostfreie Langstähle, Edelbaustahl) hat nur ein Jahr nach der grössten Krise der Stahlindustrie den Turnaround geschafft. Das Konzernergebnis konnte signifikant auf EUR 4.4 Mio. (EUR -149.0 Mio.) verbessert werden. Die Umsatzerlöse erreichten EUR 1'477.4 Mio. (1. Hj. 2009: EUR 1'054.2 Mio.). Das Betriebliche Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) wurde um 217,5 Mio. € gegenüber dem Vorjahr gesteigert und beläuft sich auf EUR 102.3 Mio. (EUR - 115.2 Mio.) und das EBIT auf EUR 49.2 Mio. (EUR -166.5 Mio.).

Die im Rahmen der Optimierungsmassnahmen vorgenommenen Kostensenkungen und Effizienzmassnahmen zeigen Wirkung. Die seit dem zweiten Halbjahr 2009, insbesondere aber seit dem zweiten Quartal 2010 spürbare Erholung der Konjunktur und der Ende 2009 abgeschlossene Lagerabbau bei den Abnehmern haben bei SCHMOLZ+BICKENBACH im ersten Halbjahr 2010 zu einer substanziellen Erhöhung von Bestellungseingang, Abliefermengen und Auftragsbestand geführt.

Die in den letzten Monaten festgestellte Verbesserung der Auftragssituation hält in allen Produktions-, Verarbeitungs- und Distributionsbetrieben des Konzerns weiter an. Die Kapazitäten sind über mehrere Monate ausgelastet. Das Unternehmen rechnet deshalb für 2010 wieder mit einem deutlich positiven operativen Ergebnis.

Die im Rahmen eines neuen Finanzierungskonzeptes mit einem internationalen Banken-konsortium ausgehandelten Kreditverträge befinden sich in der Finalisierungsphase. Deren Unterzeichnung soll nach der abschliessenden beihilferechtlichen Prüfung und Genehmigung durch die EU-Kommission erfolgen.

Das Jahr 2009 war gekennzeichnet durch einen zum Teil dramatischen Rückgang der Endkundennachfrage. Da sich auf allen Wertschöpfungsstufen der Kunden und Stahlverbraucher Lagermaterial für eine Normalbeschäftigung befand, wurde zuerst auf das Lagermaterial zurückgegriffen. Das verstärkte den Nachfrageeinbruch bei den Stahlanbietern, insbesondere bei den Stahlproduzenten. Dieser Lagerabbau bei den Kunden kam Ende 2009 zum Abschluss.

Nach einem noch schwachen ersten Quartal 2010 hat sich die Konjunkturlage in den von SCHMOLZ+BICKENBACH bedienten Marktsegmenten im zweiten Quartal deutlich verbessert. Die Stahlabnehmer haben im ersten Halbjahr 2010 aufgrund der sich aufhellenden Wirtschaftslage vermehrt Material disponiert und ihre sehr tiefen Lagerbestände wieder dem Verbrauch angepasst, wobei die Lagerreichweite weiterhin niedriger ist als vor der Weltwirtschaftskrise. Dies machte sich vor allem bei Kunden aus der Automobil- und Automobilzulieferindustrie bemerkbar. Der Bestellungseingang war damit im Vergleich zur Vorjahresperiode deutlich höher.

Um die sich abzeichnenden Lieferengpässe zu vermeiden, wurden Personalaufstockungen vor allem mit Temporär-resp. Leihmitarbeitern vorgenommen. Der im Vorjahr im Rahmen der Kostensenkungsmassnahmen getroffene Entscheid, die Stammbelegschaft wenn immer möglich zu behalten, hat sich bewährt. Die Kurzarbeit konnte vollständig ausgesetzt werden.

Kennzahlen
Die Umsatzerlöse des Konzerns stiegen im ersten Halbjahr 2010 aufgrund der gestiegenen Rohmaterialpreise und erhöhter Absatzmengen auf EUR 1'477.4 Mio. (EUR 1'054.2 Mio.). Das betriebliche Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) nahm um 217,5, Mio. € bzw. rd. 188,8 % auf 102,3 Mio. (EUR -115.2 Mio.) zu und war damit im Gegensatz zur Vorjahresperiode wieder deutlich positiv.

Aufgrund der im Vergleich zu den Vorjahren niedrigeren Investitionen haben sich die Abschreibungen und Wertminderungen gegenüber dem Vorjahr nur leicht um 3,5 % erhöht.

Das EBIT macht EUR 49.2 Mio. (EUR -166.5 Mio.) aus und übersteigt damit den Vorjahreswert um 129,5 %. Das Finanzergebnis verschlechterte sich hingegen bereinigt gegenüber dem Vorjahr um 26.9 % auf EUR -40.5 Mio. (EUR -31,9 Mio.), was auf die höhere Mittelbindung aus der gestiegenen mengen- und preisinduzierten Geschäftstätigkeit und die daraus resultierende Nettoverschuldung sowie auf höhere Finanzierungskosten zurückzuführen ist. Das Konzernergebnis (EAT) ist aber nach dem Verlust in der Vorjahresperiode wieder positiv ausgefallen und beläuft sich auf EUR 4.4 Mio. (EUR -149.0 Mio.).

Der Cash flow vor Erwerb von Konzerngesellschaften beträgt EUR -135.9 Mio. (EUR 118.7 Mio.), und ist auf den Anstieg des Working Capitals aufgrund der gestiegenen Nachfrage verbunden mit erhöhten Faktorpreisen zurückzuführen. Die Bilanzsumme erhöhte sich auf EUR 2'608.0 Mio. (31.12.2009: EUR 2'222.0 Mio.). Die Nettofinanzverbindlichkeiten stiegen aufgrund des ausgeweiteten Geschäftsvolumens auf EUR 1'086.4 Mio. (31.12.2009: EUR 917.2 Mio.). Der Eigenkapitalanteil liegt wenig verändert bei 21.4% (31.12.2009: 23.7%).

Die Investitionen beliefen sich auf EUR 41.3 Mio. (EUR 59.0 Mio.). Das wichtigste Investitionsvorhaben betrifft den Neubau des Stahlwerkes von A. Finkl & Sons Co. in Chicago, der Ende 2010 abgeschlossen werden soll.

Finanzierung
Nachdem im April 2010 dem Antrag der SCHMOLZ+BICKENBACH Edelstahl GmbH (DE) im Rahmen des sogenannten "Konjunkturpaketes II" auf eine Bürgschaft der Bundesrepublik Deutschland und des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen sowie auf eine Beteiligung der staatlichen KfW-Bank mittels eines Direktkredites entsprochen wurde, ist die Neustrukturierung der Finanzierung unter Fortführung des bisherigen Finanzierungsvolumens der Gruppe über insgesamt EUR 1'367 Mio. inzwischen nahezu abgeschlossen. Die Kreditverträge befinden sich in der Finalisierungsphase.

Gegenwärtig wird die Rechtmäßigkeit der vorgesehenen Beihilfe – wie auch in anderen Fällen - durch die EU-Kommission überprüft. Die auf deutscher Seite beteiligten Verfahrensparteien gehen nach unserer Kenntnis davon aus, dass die zugesagte Beihilfe rechtmäßig ist. Die Unterzeichnung der Kreditverträge soll nach abschliessender Prüfung durch die EU-Kommission, deren Entscheidung nach unserer Einschätzung in den nächsten Wochen zu erwarten ist, erfolgen.

Aussichten
Insgesamt hat sich die Marktlage für die Stahlindustrie in Richtung Normalität gewendet. Inzwischen bestellen die Kunden von SCHMOLZ+BICKENBACH basierend auf einer positiven Konjunkturentwicklung wieder weitgehend normal. Zwar mussten sie in den Lagerbeständen gewisse Ausweitungen vornehmen, eine Überdisposition ist aber nicht festzustellen. Während der Aufschwung zuerst von der Automobil- und Automobilzulieferindustrie ausging, zieht die Nachfrage nun auch bei den übrigen Abnehmergruppen wie Maschinen- und Apparatebau, Prozesstechnik, Hydraulik, Energietechnik, Luftfahrt etc. an. Die Auftragsbestände bewegen sich wieder auf einem Niveau, das entsprechende Anpassungen der Kapazitäten nötig macht, um Lieferverzögerungen zu vermeiden.

Für die schweizerischen Betriebe stellt die Entwicklung der Währungsrelation zwischen dem Euro und dem Schweizer Franken zwar eine Belastung dar. Andererseits profitieren jedoch die anderen europäischen Werke von SCHMOLZ+BICKENBACH von der Euro-Schwäche, weil sie sowie deren Kunden dadurch international konkurrenzfähiger werden. Die Rohstoffpreise unterliegen nach wie vor Schwankungen. Aufgrund der positiveren Konjunkturaussichten sowie des weiter optimierten Produktmix lassen sich auch sukzessive die Margen wieder verbessern.

SCHMOLZ+BICKENBACH erwartet, dass der positive Markttrend in den nächsten Monaten anhalten wird. Dank der Fokussierung auf die Produktion, Verarbeitung und den Vertrieb von hochwertigen Stählen in den Produktbereichen Edelbaustahl, rostfreie Langprodukte und Werkzeugstahl ist das Unternehmen gut gerüstet, um vom erkennbaren konjunkturellen Wiederaufschwung profitieren zu können. Entsprechend dürften die Abliefermengen im zweiten Halbjahr 2010 deutlich zunehmen und wieder ein adäquates Preisniveau erreicht werden. Die Kostensenkungsmassnahmen und Effizienzmassnahmen werden weiter planmäßig umgesetzt. SCHMOLZ+BICKENBACH geht davon aus, im zweiten Halbjahr unter Berücksichtigung der Werksstillstände, welche je nach Werk unterschiedlich im Juli oder im August sowie im Dezember stattfinden, mindestens ein gleich hohes operatives Ergebnis wie im ersten Halbjahr zu erreichen.

Für weitere Informationen:
Benedikt Niemeyer, CEO, Telefon +41 41 209 50 40

Dr. Marcel Imhof, COO, Telefon +41 41 209 51 81

Investor Relations
Axel Euchner, CFO, Telefon +41 41 209 50 35

Der Halbjahresbericht 2010 findet sich unter:
http://www.schmolz-bickenbach.com/investor-relations/geschaeftsberichte-finanzberichte/2010.html